Interview mit Karola

Unsere Teamleiterin im Bereich Packen geht nach 25 Jahren bei der rollenden Gemüsekiste in den wohlverdienten Ruhestand.

Karola Hirschler

Wie lange arbeitest du schon für die rollende Gemüsekiste?

Dieses Jahr (in 2023, Anm. Red.) werden es 25 Jahre.
 

Wie bist du damals zur Gemüsekiste gekommen?

Den Hermann und seine Mama, die Thea, die kenn ich schon seit 35 Jahren, weil wir in der Gärtnerei zusammen gearbeitet haben. Das ist die Bioland-Gärtnerei von Hermanns Onkel, dort hat er gelernt. Es hat da schon super harmoniert. Er hat mir dann ein Angebot gemacht, auch auf meine Bitte hin: Wenn er mal groß genug ist und jemanden einstellen kann, dann bin ich das (lacht).
 

Was hat dich an der täglichen Arbeit motiviert? Was hat dir immer am meisten Spaß gemacht?

Also zum einen auf jeden Fall der Umgang mit Obst und Gemüse, ich habe mit 25 Jahren noch umgeschult auf Bio-Gärtnerin. Zum Entsetzen meiner Eltern: „Wofür hast du Abitur, wenn du jetzt Gärtnerin wirst?“ Das fanden sie nicht so prickelnd erstmal. Ich bin eine "Müsli" der ersten Stunde, also mit Birkenstock und mit allem was dazugehört. (…)  Und von daher war das natürlich genial in einen Betrieb zu kommen, in dem nur mit biologischem Obst und Gemüse gehandelt wird.
 

Was war eine Erfahrung aus dem Arbeitsalltag, die dir im Gedächtnis geblieben ist?

Da gibt’s ganz viele Situationen. Eine Situation war, als wir auf Computer umgestellt haben. Da habe ich mich erstmal ein bisschen gesperrt (lacht). Weil davor war das alles noch Handarbeit, und ich dachte mir, och nee, ich will garnicht vor dem Computer stehen. Da hatte ich echt meine Probleme damit. Im Nachhinein ist es so eine Erleichterung, es geht so viel schneller. Die Kund*innen können zum Beispiel Sellerie ausschließen. Da war es vor dem Computer noch so: Es war Sellerie in die Kiste eingeplant, dann kriegt die Kundin dafür Zucchini. Weil ich auf dem Markt war, hatte ich die Preise im Kopf und habe dann immer gerechnet: 500g Sellerie kostet soviel, wieviel kriegt sie dann an Zucchini? Das macht halt jetzt der PC, das ist schon eine große Erleichterung.

Ansonsten: Meine Kolleginnen sind top. Wir sind so ein tolles Team! Ich kann nur betonen, es ist genial, wenn du morgens um 6 Uhr anrufen kannst und jede, die keinen Termin hat, kommt (zum Einspringen, Anm. Red.). Ich denke das ist auch deshalb, weil sie sich hier so wohl fühlen. Also es gibt welche, die schon 20 Jahre da sind, welche mit 15 oder 10 Jahren. Und das spürt man, dieses Team, dieses sich miteinander Wohlfühlen.
 

Was hat sich bei der Gemüsekiste in all den Jahren nie verändert?

Für mich gleich positiv geblieben ist dieses familiäre Verhältnis. Dass Hermann und Carina immer auf dem Boden geblieben sind, auch mit der zwischenzeitlich hohen Kundenzahl. Auch dieses wenig Hierarchische fand ich toll: Es war immer klar, ich bin Teamleitung und übernehme diese Position. Ich kann nachfragen und mir Hilfe holen, aber ich werde nicht bevormundet. (…) Und ansonsten hat es mir sehr gutgetan, das Vertrauen zu haben von den Chefs, dass ich das richtig mache.
 


Was wirst du am meisten vermissen?

Die Kollegen (lacht). Aber auch das Tun. Also mir fehlt die Arbeit an sich, darum arbeite ich jetzt noch 2 Monate auf dem Markt. Meine Kund*innen in Bobingen freuen sich sehr. Im Team zu arbeiten wäre für mich schwierig auch nur für einen Tag. Da bin ich zu gerne und zu lange Leitung gewesen. Also ich glaube schon, dass ich mich unterordnen kann, ich bin eher eine „Teamerin“, aber so ganz… Da könnte ich meinen Mund nicht halten glaube ich (lacht).
 

Welche Herausforderungen siehst du in Zukunft für die Firma?

Ich stell’s mir ganz schwierig vor, dauerhaft frei Haus zu liefern bei diesen Energiepreisen und Spritkosten. Also ich hab das eher schon erwartet, dass wir jetzt auch mal eine Liefergebühr einführen müssen, und seien es nur 1,50 €. Da könnte man ganz anders kalkulieren. Ich bin gespannt, wo das hingeht. (…) Wenn ich die Preise so vergleiche mit anderen Gärtnern auf den Wochenmärkten oder mit Alnatura, denk ich mir: Wir machen das gut.
 

Was wünschst du dir für die Zukunft der rollenden Gemüsekiste?

Eigentlich, dass es so bleibt. Dass dieses familiäre Klima bleibt, dass Hermann und Carina einfach so ihre Linie weiter beibehalten und dass nicht aus irgendwelchen Sachzwängen etwas verändert werden muss. Denn so macht es Spaß, in so einem Betrieb zu arbeiten. Zum Beispiel, dass wir morgens auf Arbeitszeit für alle Tee und Kaffee kochen können. Oder das Buffet, dieser Mittagstisch, der allen zur Verfügung gestellt wird, wo sich jede*r bedienen kann, so viel und so lecker.
 

Welche Projekte hast du dir für deinen Ruhestand vorgenommen?

Mein Schwiegersohn hat mich an Weihnachten schon gefragt: „Lernst du jetzt eine Sprache oder ein Instrument oder was machst du jetzt eigentlich?“ Ich hab dann gesagt, ich arbeite seit meinem 17. Lebensjahr und ich kann es mir im Moment noch garnicht vorstellen, wie das ausschaut. Also ich merke, dass ich morgens aufwache und an die Gemüsekiste denke. Und so über den Tag fällt es mir immer mal wieder ein. Ich bin noch garnicht weg, ich habe noch gar kein Gefühl für Rente. Keine Ahnung wie sich das dann mal anfühlt.

Wir haben einen kleinen Wohnwagen, da weiß ich genau, ich muss nicht an einem bestimmten Tag zurück sein. Also wenn das Wetter wunderschön ist oder die Gegend ganz fantastisch, dann kann ich noch 1 bis 2 Tage länger bleiben. Aber nicht allzu lang, denn ich bin eine begeisterte Oma und mich zieht es immer zu meinen Enkelkindern (lacht).

Danke liebe Karola und alles Gute für dich!
 

Interview vom 10.02.2023, geführt von Lukas Burkhardt